Warum ist es hier eigentlich so ruhig?

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Stille

Der letzte Blogpost ist schon einige Zeit her und ich habe seit Wochen nur eine ToDo auf meiner Blogliste:
Einen Blogpost schreiben, warum man nichts mehr von mir hört.
Das hat verschiedene Gründe – der gravierendste ist jedoch die Zeit.

Kurioserweise hat Social Media dazu beigetragen, dass ich weniger Zeit für Social Media habe. Und für meinen Blog.
Und für meine Mitmenschen.

Der Crash

Als ich mich im Juli aus verschiedenen Gründen gezwungen sah, meinen Urlaub abzusagen, hat mich das so fertig gemacht, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Ich spreche hier von einem wirklichen Zusammenbruch. Ich war völlig ratlos. Nur weil ich mal pleite bin, treibt mich das an den Rand einer Depression?

Zumindest war das der erste Gedanke. Jedoch war das nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.
Um zu analysieren, warum das Fass überhaupt so voll war, muss ich etwas weiter ausholen:

Ich betreibe diesen Blog nun seit etwa drei Jahren. In dieser Zeit ist eine Menge passiert und schnell hat sich herauskristallisiert, dass es sich auf der Seite hauptsächlich um die Fotografie drehen wird. Natürlich fotografiere ich erst mal für mich selbst. Aber selbstverständlich will man seine Werke auch irgendwo zeigen.

Von Anfang an wollte ich nicht auf Plattformen wie Instagram oder Facebook angewiesen sein, sondern etwas eigenes machen. Jedoch ist man gefühlt auf diese „Werkzeuge“ angewiesen, wenn man Reichweite generieren möchte.

Da ich in 2017 angefangen habe, an Ausstellungen teilzunehmen und 2018 sogar meine erste eigene Ausstellung durchführen konnte, war für mich klar, dass ich verstärkt auf Facebook setzen muss, um gezielt Werbung für die Veranstaltungen machen zu können.

Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Facebook auch ein super Tool ist, um Werbung zu schalten. Aber wie mit vielen Werkzeugen kann man sich auch hier verletzen, wenn man nicht weiß, wie man damit umgeht.

Die Social Media Falle

Nachdem ich auf einmal meine Bilder verkaufen konnte, war mein nächster Schritt die Gewerbeanmeldung. Der „Erfolg“ kam sehr unerwartet. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich mal auf einer Ausstellung Bilder verkaufe. Ich plante einen Fotoworkshop und musste auch dafür wieder viel Werbung machen, an meiner Außendarstellung arbeiten und weiterhin regelmäßig Content produzieren.
Rückblickend war das wahrscheinlich der Punkt, an dem ich anfing, den Algorithmen hinterherzulaufen.

Und darum geht es. Ich habe Content produziert weil ich es gefühlt musste – nicht weil ich es wollte. Quantität über Qualität. Gerade auf Instagram habe ich vieles gepostet, was eher Mittelmaß oder sogar darunter war.
Und interessanterweise bekamen diese Bilder nicht unbedingt mehr Likes als meine „guten Fotos“.

Ich glaube, dass man den Likes und dem Nutzerverhalten der User gar nicht trauen kann. Ich habe mich ja selbst dabei ertappt, wie ich Bildern vorrangig wegen der Interaktion ein Herz gegeben habe. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mit dieser Handlungsweise allein bin.

Besucher der Marburger Kunsttage

Besucher der Marburger Kunsttage

2018 gab es zwei weitere große Ereignisse für mich:
Ich gewann den Publikumspreis der Marburger Kunsttage und machte beim Blende-Wettbewerb den zweiten Platz.

Dass ich auf den Kunsttagen so gut abgeschnitten habe, kann ich immer noch nicht fassen. Der innere Druck, jetzt weiter liefern zu müssen, stieg sehr schnell an. Um das alles zu optimieren, habe ich Redaktionspläne geschrieben, Postings automatisiert und jede Lost Place Tour fast auf die Minute durchgeplant. Planen und strukturieren kann ich übrigens sehr gut 😉

Das hat mir das Gefühl gegeben, alles im Griff zu haben.

Anders wäre es auch gar nicht möglich gewesen, meinen mir selbst auferlegten Redaktionsplan einzuhalten. Schließlich habe ich das alles neben meinem Beruf erledigt. Einem Beruf, der mich zeitlich sehr fordert und mich teilweise auch am Wochenende einspannt.

Das alles hat in gewisser Weise funktioniert – jedoch war der Preis sehr hoch:
Zum Einen leide ich gesundheitlich unter dem Stress – zum Anderen ging das zu einem großen Teil zu Lasten der Menschen, die ich liebe.

Und dann kam im Juli diesen Jahres der Dämpfer, der mich daran gehindert hat, mal wieder Zeit mit diesen Menschen zu verbringen. Das war zu viel!

Ein Selbstversuch: Achtsamkeit und Fokus

Seit diesem Tag arbeite ich intensiv an mir, um mir über ein paar Dinge klar zu werden:

Was ist mir wichtig?
Welche Kompromisse muss möchte ich eingehen?
Wie viel Zeit und Mühe investiere ich in was?

Was mir klar geworden ist:

Ich bin nicht allein mit diesen Empfindungen. Ivan Slunjski z.B. kann viel besser schreiben als ich und hat seine Sicht der Dinge hier wunderschön aufgezeigt.

Offenbar bin ich (noch) nicht fähig, mit den sozialen Medien angemessen umzugehen. Deswegen habe ich deren Nutzung radikal reduziert. Auch habe ich vor einiger Zeit ALLE Benachrichtigungen an meinem Smartphone ausgeschaltet.

Und was soll ich sagen? Es geht mir so viel besser, seit ich die Apps bewusst öffne und mich nicht von außen triggern lasse.
Auch das Vergleichen mit anderen Fotografen im Netz hat dadurch massiv abgenommen und meine Erwartungshaltungen an mich selbst sind seit dem realisierbarer.

Es war wichtig, diese Erfahrung zu machen und ich bin dankbar für den Zusammenbruch. So habe ich erkannt, dass ich etwas ändern muss. Es ist leicht, auf die Umwelt, den Druck von außen und die sozialen Medien zu schimpfen. Es ist leicht, Facebook an den Pranger zu stellen, weil sie die Reichweite drosseln.

Es ist schwer, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und herauszufinden, wie man damit umgeht.

Ich möchte achtsamer und minimalistischer leben. Ich besitze zu viel Kram, der mich von den wichtigen Dingen ablenkt.

Ich habe noch einen langen Weg vor mir, von dem ich nicht weiß, wohin er mich führt.Feldweg Gemünden
Der Winter kommt bestimmt. In dieser Zeit bekomme ich erfahrungsgemäß den Kopf frei.

Ich werde Entscheidungen treffen.

Glasklar ist: Die Fotografie ist so wichtig für mich, dass ich sie ausbauen möchte. In welchem Umfang das passieren soll, ist noch offen. Mittlerweile habe ich meine erste Hochzeit fotografiert. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber ich will in Zukunft öfter Menschen fotografieren.

Es wird hier mit Sicherheit auch immer mal wieder eine Lost Place-Strecke geben, aber der Fokus wird woanders liegen. Auch werden Beiträge bei weitem nicht mehr regelmäßig erscheinen.

Ich arbeite an kleinen Projekten, die mir Spaß machen und mir am Herzen liegen. Ich habe zum Beispiel einen Kalender drucken lassen, der es in den regionalen Einzelhandel geschafft hat.
Wenn also jemand mich und die kleinen lokalen Händler unterstützen möchte, kann er oder sie gern mal in der Buchhandlung Jakobi in Frankenberg vorbeischauen oder mich anschreiben.

Auch werde ich am 23. und 24.11. auf dem Kunstmarkt in der Ederberglandhalle sein.

Meine nächste Schritte sind noch nicht ganz klar. Ich habe eine Menge Ideen, aber noch keine wirkliche Richtung. Ich werde diese Seite wahrscheinlich etwas umbauen. Ich werde meinen Instagram Account umbauen. Ich werde wieder etwas experimentieren. Aber ich lege mir keinen Zeitrahmen fest.

Ich freue mich sehr auf die kommende Zeit und danke jetzt schon mal allen Menschen, die mich begleiten.

Der Kalender In der Natur 2020"

Mein Kalender „In der Natur“

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