Raus aus der Komfortzone – Mein erstes Mal mit einem Model

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Immer wenn mich jemand fragt, was ich so fotografiere, ist meine erste Antwort: „Alles außer Menschen.“

Ich fotografiere hauptsächlich Lost Places und Natur / Landschaft und möchte beim fotografieren meine Ruhe haben. Das bringt mich runter und so kann ich abschalten.

Da ich aber auch grundsätzlich neugierig bin, wollte ich mal was ganz anderes machen. In letzter Zeit habe ich auch schon mal ein Event oder kleines Konzert geschossen und habe festgestellt, dass mir Reportage auch Spaß macht. Aber mal ein richtiges Model vor der Kamera zu haben – Der Gedanke erfüllte mich bislang immer mit einer – nennen wir es Scheißangst!

Die Sache mit dem Workshop

Mitte September hat sich dann die Gelegenheit ergeben, einen Workshop bei Patrick Ludolph zu machen. Er bekam die Möglichkeit, in der Zeche Schlägel & Eisen in Herten ein Shooting abzuhalten und mein Mensch hat das Ding einfach mal für mich gebucht. In erster Linie natürlich wegen der Location, das ist ja voll mein Ding.

Als ich von der Aktion erfahren habe, war ich erst mal begeistert. Ein Workshop bei Paddy ist schon ziemlich cool. Aber ehrlich gesagt hatte ich auch ein bisschen Bammel. Mein Hirn begann wie am Fließband Ausreden zu produzieren, warum dieser Workshop nichts für mich sei. Ich kann doch gar kein Model anleiten, ich kenne keine Posen, ich bin bestimmt der Einzige, der so was noch nie gemacht hat, was werden wohl die anderen von mir denken, usw…

Außerdem war ich immer der Ansicht, dass Models und Lost Places nicht zusammenpassen. [Ja, die Zeche ist nicht wirklich Lost, aber das Ambiente kommt schon rüber ;-)]

Das klingt jetzt irgendwie bescheuert, aber genau diese Ängste und Zweifel waren der Grund, die Teilnahme an diesem Workshop nicht abzusagen.

Die Sache mit dem Model

Geshootet wurde mit Maria Hennig aus Hamburg. An diesem Tag habe ich gelernt, wie viel Arbeit modeln eigentlich ist und wie wenig Ahnung ich von der Materie hatte.

Trotz meiner anfänglichen Schwierigkeiten sind am Ende doch ein paar passable Fotos rausgekommen denke ich. Und dafür ist zu einem großen Teil auch Maria verantwortlich. Häufig hatte ich zwar eine Location im Kopf, mit der Umsetzung haperte es aber ein wenig. Maria hat immer wieder eigene Ideen mit eingebracht und wenn mal keine direkte Anweisung kam (was bei mir durchaus häufiger vorkam) hat sie einfach gemacht, was ihr gerade in den Sinn kam. So blieben wir immer im Flow und hatten super viel Spaß.

Deshalb geht hier noch mal ein riesiges Dankeschön an Maria für die Geduld mit mir!

Die Sache mit dem Helm

Auf Wunsch eines Kursteilnehmers hat Paddy sogar einen Stormtrooper-Helm aus seiner Star Wars Sammlung mitgebracht. Erst fand ich den Gedanken ziemlich cool – ich bin ja schließlich selbst Fan – aber im Laufe des Tages habe ich meine meine Meinung geändert.

Ich mag die Fotos mit den Star Wars Helmen und Masken sehr, aber das ist so ein Paddy-Ding. Ich will nicht das machen, was er macht. Wenn ich einem Model eine Star Wars Maske aufsetze, wird es mir immer vorkommen, wie eine Kopie.

Paddy hat halt diesen Star Wars Tick und dafür feiere ich ihn. Diese Fotos leben aber zu einem Großteil von der Idee. Und das ist nicht meine. Dazu kommt noch, dass es für das Model alles Andere als angenehm ist, so einen Plastikdeckel auf dem Kopf zu haben.

Selbstverständlich habe ich bei der Gelegenheit auch ein Foto mit Helm gemacht. Das ist eine schöne Erinnerung für mich, aber nicht für die Öffentlichkeit.

Was ich gelernt habe

Paddy hat das Ganze wirklich cool aufgezogen. Dadurch, dass wir die Shootings in kleinen Gruppen gemacht haben, konnte man super Ideen entwickeln und umsetzen. Er hatte bei Fragen immer ein offenes Ohr und hat auch immer wieder Tipps gegeben, was man noch besser machen kann.

Ich habe einiges über Lichtsetzung mitnehmen können, mittlerweile beschäftige ich mich sogar intensiver mit Dauerlicht und Blitzen, was ja eigentlich gar nicht so meins ist.

Ich verstehe jetzt, warum viele Fotografen Models in Lost Places  shooten wollen. Die Zeche war eine super Location, um mir vor Augen zu führen, welchen Einfluss die Umgebung auf die Bildgestaltung nimmt. Ich werde zukünftig Fotos, die mich früher genervt haben, aus einer anderen Perspektive sehen.

Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, sich aus seiner Komfortzone zu wagen. Natürlich weiß man das, aber man macht es viel zu selten. Ich zumindest.

Ich habe gelernt, wie toll es sein kann, wildfremde Menschen kennen zu lernen, auch wenn man Angst davor hat. Wenn man zusammen Pizza isst, ist alles gar nicht so wild 😉

Danke Patrick, für den coolen Workshop!
Danke Maria für deine Geduld und Ausdauer!
Danke an die coole Gruppe, es war mir ein Fest!

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