Das Luftbild der alten Frankenberger Burg – Ein Making Of

749
0
Share:

Einige haben es vielleicht mitbekommen: Peter Åkesson aus Burgwald hat die alte Frankenberger Burg mit Hilfe von Kunststoffsteinen der Firma Metakreon rekonstruiert. (Die HNA berichtete)
Es war ein cooles Projekt und es steckte viel Arbeit darin. Nicht nur der Bau des Modells, sondern auch die Fotomontage war eine Arbeit von vielen Wochen. Hier möchte ich veranschaulichen, wie es zu dem Foto kam.

Am 03. August 2017 bekam ich eine eMail von der Fotografin Dorothea Wagener aus Frankenberg. Sie hatte meine eMail-Adresse von einem guten Freund, der wusste, dass ich eine Drohne habe. Sie brauchte Luftaufnahmen vom Frankenberger Burgberg und fragte nach, ob ich so etwas bewerkstelligen könne. Sie erklärte mir in ein paar knappen Sätzen, dass Peter Åkesson die Frankenberger Burg anhand alter Pläne maßstabsgetreu nachgebaut hat und nun gern eine Fotomontage hätte. Sie solle nun das Modell der Burg abfotografieren, freistellen und in eine Luftaufnahme einfügen.

Ich fand das Projekt super spannend und sagte wenig später zu.

Die Vorbreitungen

Papierkrieg : Die Einverständniserklärung

Das alles klingt in der Theorie so weit ganz leicht. Nun ist es aber so, dass die neue Drohnenverordnung seit April 2017 in Kraft ist und das Fliegen mit einer Drohne über Wohngrundstücken das ausdrückliche Einverständnis der Eigentümer erfordert.

Klingt nach einem großen bürokratischen Aufwand? Ist es auch. Zunächst mussten die GPS Daten für die Einverständniserklärung gesammelt werden und der Papierkram musste erledigt werden. Ich kam mir vor wie ein Staubsaugervertreter, als ich Wohnung für Wohnung rund um den Burgberg ablief und mein Anliegen erklärte. Zu meiner Überraschung reagierten die meisten Leute aufgeschlossen und ich musste keine „Überzeugungsarbeit“ leisten. Ich hatte ehrlich gesagt mit mehr Widerstand gerechnet, da die Drohnen in letzter Zeit auch viel negative Presse erfahren haben.

Aber trotzdem habe ich nicht auf Anhieb alle Kontaktdaten der Eigentümer bekommen. Ich sage das ohne Wertung, denn ich bin ein Freund des Datenschutzes. Und selbstverständlich gibt ein Mieter nicht jedem dahergelaufenen Typ die Kontaktdaten des Hausherren. Ich musste nicht nur viele eMails schreiben, es war auch einiges an telefonischer Arbeit notwendig und ging bis hin zu Hausbesuchen in die umliegenden Stadtteile von Frankenberg. Alles in allem vergingen etwa vier Wochen, bis ich alle Dokumente zusammen hatte.

Das Modell der Liebfrauenkirche – Luftbild: Malte Glotz

Doch auch Dorothea hatte einiges an Arbeit. Diese Art Fotomontage war zwar kein Neuland für sie – hat sie doch schon im Juni 2015 die Liebfrauenkirche in eine Luftaufnahme eingesetzt – jedoch lagen die Dinge hier etwas anders: Die Liebfrauenkirche ist ein existierendes Bauwerk. Man kann sie sich anschauen und das Foto danach planen. Die Burg hingegen existiert nicht mehr. Dorothea musste anhand von geschichtlichen Dokumenten und Bodenvermessungsdaten herausfinden, wie die Burg gestanden haben könnte und ihre Arbeit danach ausrichten.

Die ersten Bilder

Der erste Flug

Jetzt sollte man ja meinen, es hätte losgehen können. Tja, dummerweise gibt es einen Faktor, der gerade in der Drohnenfotografie nicht zu unterschätzen ist: Das Wetter. Mittlerweile stand der Herbst vor der Tür, das Licht wurde zwar schöner, die Tage aber auch kürzer und es regnete gefühlt ständig. Da ich auf dem Bau arbeite und es dementsprechend nach Feierabend auch schon wieder dunkel war, blieb mir zum Fliegen eigentlich nur das Wochenende. Am Sonntag, den 01. Oktober konnte ich das erste Mal den Copter starten lassen. Ich machte mehrere Aufnahmen aus den unterschiedlichsten Blickrichtungen, sodass Dorothea sich nur für eine entscheiden musste.

Rohaufnahme des Burgbergs aus der Luft

Nun war Dorothea im Urlaub auf Sylt, das sollte aber kein Problem darstellen. Gott sei Dank gibt es ja das Internet und ich konnte ihr ein paar Favoriten per Whats App auf die Insel schicken.

Nachdem sie das Material gesichtet hatte, war die Antwort ziemlich ernüchternd: Die Bilder waren zwar schön, aber ich war zu nah dran. Ich hatte mir große Mühe gegeben, den Burgberg möglichst groß und detailreich darzustellen, aber offenbar hatte ich kein gutes Gefühl dafür, wie groß die Burg eigentlich war. Ein Bild, auf dem die Kirche noch zu sehen wäre mit der Stadt im Hintergrund, das wäre cool! Also musste ich Frankenberg noch mal einen Besuch abstatten. Ich wäre auch direkt wieder losgezogen, hätte es nicht schon wieder angefangen zu regnen. 🙁

Es sollten noch mal zwei Wochen vergehen, bis ich zum zweiten Mal losziehen konnte, um auf dem Burgberg zu fliegen. Das Wetter spielte mit und das Licht passte auch. Ich konnte die gewünschten Fotos machen, auch wenn ich dazu am obersten erlaubten Höhenlimit fliegen musste. Gut so, denn langsam mussten auch Ergebnisse geliefert werden. Als ich die Bilder fertig hatte und sie an Dorothea geschickt hatte, versuchte sich auch Jonas Åkesson, Peters Sohn und Geschäftsführer von Metakreon, selbst an einer Fotomontage. Er stellte fest, dass der Winkel der Burg noch nicht so ganz stimmte.
Nun musste Dorothea nach Burgwald fahren, denn jetzt begann die eigentliche Arbeit.

Das Fotoshooting 

Das Modell wird fotografiert. Foto: Dorothea Wagener

Das Modell der Burg musste erst mal fotografiert werden. Und zwar in genau dem richtigen Winkel, damit die Burg später auch richtig in der Montage sitzt. Die ersten Versuche in einem kleinen Fotoraum schlugen fehl, er war viel zu dunkel und zu klein. Die Burg musste an einen anderen Ort mit mehr Licht. Da es ausnahmsweise in Strömen regnete, trugen sie sie in die Lagerhalle am anderen Ende des Geländes. Dorothea schob die Burg bis an das offene Tor, um möglichst viel Licht zu haben, aber es reichte immer noch nicht. Also wurde ein Lichtsetup aufgebaut und die Burg auf grauem Hintergrund platziert um sie hinterher vernünftig freistellen zu können.

Nun fotografierte sie die Burg aus allen erdenklichen Höhen und Winkeln. Schließlich konnte sie das Modell ja nicht mit nach Hause nehmen, die Fotos mussten also passen. Nach zweieinhalb Stunden war die Speicherkarte voll und Dorothea konnte nach Hause fahren, um am Computer weiter zu machen.

Die Fotomontage

Nun ging es an die Bildbearbeitung. Es mussten Bilder gesichtet werden, die Burg wurde freigestellt und eingepasst. Auch hat Dorothea ein paar Schönheitskorrekturen vorgenommen und die Untergründe verändert, um es authentischer wirken zu lassen. Hier sieht man schön den Vorher / Nachher – Effekt:

Wie viel Arbeit in diesem Projekt steckt, können wir gar nicht genau sagen, aber es hat riesigen Spaß gemacht. Und es sind weitaus mehr Menschen daran beteiligt, als man vielleicht denkt. Schon allein ohne die Einverständniserklärungen für die Luftaufnahmen hätte dieses Vorhaben nie stattfinden können.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch noch mal allen umliegenden Anwohnern und Hausbesitzern des Burgbergs Danke sagen!

Nebenbei sei noch erwähnt, dass Dorothea und ich uns noch nie in Person begegnet sind. Das Internet ist also doch gar nicht so schlecht 😉 

Leave a reply

*