Mein Backup-Plan – Datensicherheit im heimischen Netzwerk

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Wenn man Leuten die Frage stellt wie sie ihre Daten sichern, bekommt man häufig die Antwort: „Ich habe eine externe Festplatte. Da ziehe ich die Sachen von Zeit zu Zeit drauf.“

Das Thema Backup – so scheint es mir – wird häufig verdrängt. Man erachtet es als „nicht so wichtig“. Ich kann das nachvollziehen, zumal man ja auch Zeit, Energie und Geld investieren muss und keinen direkten Nutzen daraus ziehen kann. Aber was, wenn die Festplatte im heimischen Rechner den Geist aufgibt? Oder die Katze die externe Festplatte vom Schreibtisch schiebt, weil sie sich gern hinlegen möchte?

Den ein oder anderen Datenverlust habe ich schon erlebt – sei es durch Unachtsamkeit, durch falsche Handhabe oder einfach durch Altersschwäche der Datenträger. Ich habe zwar immer wieder sporadisch Datensicherung gemacht auf irgendwelche Medien, die ich gerade zur Hand hatte, aber nie so wirklich mit System.
Das habe ich kürzlich geändert. Ich habe einen Backup-Plan für meine Daten erstellt und den möchte ich hier vorstellen. Es ist natürlich nicht DIE Lösung, aber für mich funktioniert sie sehr gut.

Aber was ist denn überhaupt ein Backup?
Auszug aus Wikipedia: „Ein Backup bezeichnet das Kopieren von Daten in der Absicht, diese im Fall eines Datenverlustes zurückkopieren zu können. Somit ist Datensicherung eine elementare Maßnahme zur Datensicherheit.“

Der Computer

In der Fotografie fängt das Backup eigentlich schon beim Fotografieren an. Viele Kameras besitzen heute zwei Kartenslots, um die Bilder redundant zu speichern. Meine Kamera hat dieses Feature leider nicht, sonst würde ich es nutzen. Aber spätestens, wenn die Bilder in den Rechner wandern, wird bei mir gesichert.

Import-Dialog von Lightroom

In meiner Workstation habe ich drei Festplatten verbaut. Eine Platte ist nur für das System (also Windows & Programme), eine Platte dient rein zum synchronisieren von Clouddaten, wie z.B. Dropbox. Die dritte Platte ist meine „Arbeitsplatte“, dort liegen die Fotos an denen ich gerade arbeite. Wenn ich nun Fotos in Lightroom importiere, sage ich LR auch, dass die Fotos an einem zweiten Ort gespeichert werden sollen. Dieser Ort ist bei mir ein NAS. So kann ich ruhigen Gewissens nach dem Import die Karte wieder in der Kamera formatieren und habe immer genug Speicherplatz in der Cam. Wenn ich mit dem Bearbeiten der Fotos fertig bin, wird dieser Ordner auch wieder gelöscht, aber das alles werde ich in einem späteren Post zu meinem Lightroom Workflow beschreiben.

Nun läuft auf dem Computer das Programm Backup Pro von Ashampoo. Ich habe mich für dieses Programm entschieden, weil es super easy zu bedienen ist und keinen unnötigen Schnick Schnack bietet. Man erstellt einen Backup-Plan sodass die Daten in einem vorher festgelegten Zeitintervall automatisiert gesichert werden. Man kann entweder einzelne Dateien, Ordner oder auch ganze Laufwerke sichern. Das Programm läuft im Hintergrund und im Normalfall braucht man sich um nichts weiter zu kümmern.

Zusammenfassung meines Backup-Plans in Ashampoo Backup Pro

In meinem Fall sieht das so aus:
Ein Backup von der „Arbeitsplatte“ lasse ich täglich erstellen, da sich die Daten hier schnell ändern und ich im Falle eines Verlusts keine Sicherung zurückspielen möchte, die älter ist. Meine System-Festplatte wird nur ein mal in der Woche gesichert. Auf der Platte passiert ja auch nicht viel. Im Worst Case kann ich mit einem Datenverlust von einer Woche leben. Ich darf nur keine wichtigen Daten auf dem Desktop ablegen, da bin ich noch ein wenig schlampig 😉

Aber wohin werden die Daten gesichert? Man hat in Backup Pro die Möglichkeit, auf ein lokales oder Netzlaufwerk im heimischen LAN zu sichern. Auch die ganzen großen Cloud-Anbieter wie Dropbox, Google Drive, etc. werden unterstützt. Ich persönlich sichere auf ein NAS.

Das NAS

NAS steht für „Network Attached Storage“, es ist also nichts anderes als ein Netzwerkspeicher. Es gibt sie in den verschiedensten Ausführungen, eine der geläufigsten ist wohl mittlerweile die Version mit zwei Festplatten im RAID1 Verbund. Hierbei werden die Daten redundant auf zwei Festplatten gespeichert und im Falle eines Plattencrashs ist man abgesichert. Viele Leute wiegen sich hier in falscher Sicherheit.

Ein NAS ist kein Backup!

Wenn ich auf dem NAS Daten lösche, sind sie weg. Sie werden ja auf beiden Platten gelöscht. Hole ich mir einen Virus auf die Kiste, stehen die Chancen auch schlecht für die Daten.

Meine NAS-Systeme & Dockingstation für Festplatten

Deshalb nutze ich zwei unterschiedliche NAS-Systeme. Ich habe eine Synology DS212j im Einsatz als „Daten-NAS“. Das heißt, hier liegt mein Fotoarchiv, Musik, Videos, Software oder mein digitaler Aktenschrank. Also Daten, die ich häufig brauche, die aber keinen Speicher auf meiner „Arbeits-Platte“ im Computer belegen sollen. Auf diesem NAS habe ich die App „Hyper Backup“ installiert. Die App macht auf dem NAS das Gleiche wie das Programm Backup Pro auf dem Computer. Ein Mal in der Woche werden auch diese Daten kopiert und so gesichert. Und zwar auf dem zweiten NAS:

An dieser Stelle arbeitet eine günstige Lösung von ZyXel. Ich nutze das NSA325V2. Ich finde es nicht ganz so benutzerfreundlich, wie die Produkte von Synology, gerade die Weboberfläche finde ich ziemlich unübersichtlich. Aber ich nutze es ausschließlich als Backup-Ziel und muss nicht wirklich  viel auf der Oberfläche arbeiten, so kann ich damit leben. Ich habe dem ZyXel NAS einen Zeitplan voreingestellt und so startet es nur, wenn es die Daten vom Computer oder dem anderen NAS erwartet. Es ist also einen Großteil der Zeit nicht aktiv und so gegen Viren etc. gut geschützt.

Aber ich wiederhole: Ein NAS ist kein Backup!

Ein richtiges Backup muss außerhalb des Netzwerks gelagert werden, im Idealfall räumlich getrennt. Wenn der Blitz einschlägt, sind die Daten auf meinem zweiten NAS auch nicht wirklich sicher, weil es ja nun am selben Stromnetz und am selben Netzwerk-Switch hängt. Die Daten müssen raus.

Das eigentliche Backup

Die Docking-Station für die Festplatten

Aber wohin? Große Firmen speichern ihre Daten im Regelfall auf LTO-Tapes, die in der Lage sind, riesige Datenmengen (bis zu 120 Terrabyte komprimiert) auf einem Band zu speichern. Außerdem kann die Datensicherung in dem Fall auch automatisiert von Robotern vorgenommen werden. Für den Privatanwender ist das natürlich völlig übertrieben, zumal ein solches Laufwerk auch gern jenseits der 2000 Euro anzusiedeln ist.

Aber in Zeiten wie diesen, in denen die technische Deflation uns immer weiter fallende Festplattenpreise beschert, haben wir Privatanwender eine vernünftige Alternative für das eigentliche Backup: Ein Mal im Monat sichere ich meine „Backups“, die auf dem ZyXel NAS liegen, auf eine große Festplatte. Und ich meine nicht eine ext. Festplatte in einem Gehäuse, welche am besten noch durch ein extra Netzteil betrieben werden muss, sondern ganz normale SATA HDD´s ohne Schnick Schnack. Die sind erst mal viel günstiger und ich bin viel flexibler. Ich habe mir eine schöne DockingStation von Inateck besorgt. Da kann ich meine Festplatten einfach einstecken, sie per USB 3.0 ans NAS hängen und easy kopieren. Das kann man natürlich nicht automatisieren, aber darum geht es ja.

Wichtig ist, dass ich hier nur von Daten rede, die ständig verfügbar sein sollen. Wenn der Speicher im NAS voll ist, ist das der Zeitpunkt, an dem die Daten ihre vorerst letzte Reise antreten:

Das Archiv

Das Festplatten-Archiv

Archiviert wird bei mir auch auf normalen SATA HDD´s. Auch hier kommt meine DockingStation zum Einsatz. Die zu archivierenden Daten werden kopiert und wandern anschließend ins Regal. Bevor die Festplatte allerdings getrennt wird, lese ich sie mit dem Tool DriveLister aus. Das Tool liest die Verzeichnisstruktur der Festplatte und schreibt sie in eine Textdatei.
Wenn ich also eine bestimmte Datei suche und sie durch die Windows Suche nicht finde, weil sie bereits archiviert wurde, kann ich in der Textdatei danach suchen und so herausfinden, auf welcher Festplatte sie sich befindet.

So sind meine Daten für die meisten Fälle gesichert. Ich habe sie zwar ausgelagert, aber räumlich getrennt sind sie nicht. Auch weil ich der Meinung bin, dass man irgendwo eine Grenze ziehen muss. Klar, wenn alles zu Hause liegt, hat man auch die Verantwortung für die Daten. Einen Teil sehr wichtige Daten habe ich ja auch aus diesem Grund in die Cloud ausgelagert. Aber ich kann mir nicht erlauben, Backups von ganzen Laufwerken, die auch mal über 100GB groß sind, täglich in die Cloud zu laden. Das gibt die ländliche Internetverbindung schon gar nicht her. Und die Daten offline räumlich zu trennen ist schon ein immenser Aufwand. Ich habe einfach keine Lust und keine Zeit, meine Backup-Festplatte zu den Eltern zu bringen oder sie in ein Bankschließfach zu legen. Das würde unweigerlich dazu führen, dass ich weniger Backups machen würde.

Auch habe ich noch kein Backup von meinem Archiv. Das werde ich aber zeitnah ändern und diese Daten dann auch räumlich auslagern. Bei der ganzen Thematik Datensicherheit sollte man sich immer vor Augen halten: Egal, wo die Daten liegen – Ein Restrisiko bleibt immer. Die Frage ist, wie weit man dieses Risiko minimieren kann oder will. Aber man sollte sich in jedem Fall Gedanken darum machen, denn wie sagt man so schön in der IT: „Kein Backup – Kein Mitleid“

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